Alles Geschafft!

Der dual Studierende Alexander berichtet von seinen Erfahrungen …


01.07.2019

Alexander, herzlichen Glückwunsch zu dem (fast) Abschluss Deines dualen Studiums. Du hast vor kurzem Deine Bachelorarbeit abgegeben. Nun hast du jetzt den größten Teil deiner Prüfungsaufgaben erfüllt, es fehlt noch das Kolloquium und die Abschlusspräsentation.

Du hast als dual Studierender in dem Unternehmen Wenker GmbH & Co. KG eine Ausbildung zum Industriekaufmann absolviert und parallel dazu, an der „Hochschule Osnabrück“ am Standort Lingen, Betriebswirtschaft studiert.

Alexander, wie ist das „duale Studium“ organisiert?

Das Studium beginnt mit einem Einführungswochenende, welches in der Regel an einem Mathe-Vorkurs gekoppelt ist. Morgens wiederholt man den wichtigen Mathe-Stoff aus dem Abi und abends lernt man bei ein oder zwei Bier seine Mitstudenten kennen. Eurer Studiengruppe sind je zwei bis drei Mentoren zugeordnet, die euch über das ganze Studium begleiten und für Fragen zu Verfügung stehen. Insbesondere sorgen Sie am Anfang dafür, dass Ihr die Stadt mit allen wichtigen Orten kennenlernt. Das Studium an sich ist in Theorie- und Praxisphasen unterteilt. Die Theoriephase dauert 10 Wochen, die Praxisphase dauert 14 Wochen. Pro Theoriephase hast Du 6 Fächer. Pro Fach schreibst du in der Regel je eine Klausur und zusätzlich eine kurze Hausarbeit in der anschließenden Praxisphase. Die Hausarbeit dient dazu, das theoretische Wissen mit der Praxis zu verknüpfen und zu vertiefen. Aber keine Sorge, so schlimm sind die Hausarbeiten nicht.

Bist Du zur Berufsschule gegangen?

Alexander: Nein. Drei Wochen vor der Abschlussprüfung wurden Prüfungsvorbereitungskurse für uns angeboten. Im Studium werden die Inhalte der Ausbildung in den ersten drei Semestern vermittelt und vertieft. Im Prüfungsvorbereitungskurs haben wir sehr gute Werkzeuge, Unterlagen zum Selbststudium und Tipps für die Prüfung erhalten, sodass insgesamt die drei Wochen, wenn man Sie gut genutzt hat, vollkommen ausgereicht haben. Wenn man als Ergänzung die Prüfungen der letzten Jahre noch durcharbeitet und alles verstanden hat, dann passt das schon.

Hattest Du Semesterferien?

Alexander: Nein. Ich hatte aber 30 Tage Urlaub. Zum Ende der Theoriephasen habe ich ein Teil des Urlaubs dazu genutzt, um meine restlichen Ausarbeitungen für die Fächer in Ruhe zu schreiben. Wenn man sich organisieren kann und seine Zeit sinnvoll nutzt, dann hat man nicht übermäßig viel Stress. Wichtig hier ist die Selbstdisziplin – und das lernt man recht schnell.

Wenker GmbH & Co. KG ist ein internationales Unternehmen aus der Metallbranche und bietet hier in Ahaus vier Ausbildungsbereiche sowie Kombinationen mit dem dualen Studium an. Im Unternehmen Wenker dreht sich alles um Metall. Für die Auto- und Flugzeugindustrie sowie die Schifffahrt werden technische Anlagen und Produkte geplant, konstruiert und gebaut. Deshalb werden Ausbildungen (m/w/d) zum Konstruktionsmechaniker, zum technischen Produktdesigner, zum Mechatroniker und zum Industriekaufmann angeboten.

Als Auszubildender bei Wenker lernst Du alle Unternehmensbereiche für einige Wochen kennen. Weshalb und wo warst Du am liebsten?

Alexander: In der Fertigung. Weil ich dort eine ganz andere Sichtweise auf die Unternehmensprozesse bekommen habe.

Was meinst Du damit genau?

Alexander: Ich habe eine kaufmännische Sicht auf die Dinge. In der Fertigung erlebt man die Wertschöpfungskette aus einer anderen Perspektive – man versteht das Unternehmen also ganzheitlicher. Meiner Meinung nach für jeden Industriekaufmann Pflicht.

Hast Du durch Deine Erfahrung im Berufsalltag im Studium profitiert?

Alexander: 100-prozentig! Theorie ist das Eine – Praxis das Andere. Durch den Unternehmensbezug und
den Berufsalltag ist es leichter, die Theorie zu verstehen und zu lernen. Man denkt viel mehr in praktischen Dimensionen, kann vieles aus der Praxis ableiten und direkt anwenden.

Arbeitsalltag

Im Rückblick Alexander, was hat Dir mehr Spaß gemacht? Die praktische Arbeit im Unternehmen oder das Lernen an der HS?

Alexander: Schwierig zu sagen. Der Vorteil bei der HS ist, dass man in den ersten Wochen mehr Freizeit hat, jedoch wird es gegen Ende deutlich stressiger. Im Unternehmen ist die Arbeitsintensität gleichmäßiger verteilt. Spaß hat mir aber beides gemacht. In der Theorie lernt man viel. In der Praxis macht man viel.

Wie beurteilst Du den Arbeitsaufwand in der Ausbildung und im Studium?

Alexander: Der Aufwand im Studium ist deutlich höher – aber die Inhalte sind vielfältiger. Das hat mich aber selten gestört – bis auf die Klausuren-Endphase. Der großer Vorteil war sicherlich, dass ich in Lingen eine Wohnung hatte, also mir die Zeit für das nervige Pendeln sparen konnte. Also eine Wohnung im Studium kann ich jedem nur wärmstens ans Herz legen. Ohne Wohnung ist es erstens aufwendiger, und zweitens verpasst man sehr viel.

Warum hast Du Dich für ein duales Studium entschieden?

Alexander: Ich bin kein Freund purer Theorie, deshalb war relativ früh klar, dass ich eine Kombination aus Praxis und Theorie suche. Ich habe mich bei Wenker beworben, in der Hoffnung, dass dort ein duales Studium angeboten wird. Glücklicherweise wurde es dann mit einem weiteren Mitstudierenden und mir erstmals eingeführt.

Warum bei Wenker?

Alexander: Wenker war interessant für mich, weil dort der Anlagenbau wirklich sehr vielfältig ist und die „Produkte“ auf den Kundenwunsch maßgeschneidert werden müssen. Es gibt einfach wenig Fertigungsroutine, was viel Flexibilität von allen Bereichen erfordert. Weiterhin bietet Wenker den Vorteil der flachen Hierarchien. Bei Wenker ist man als Mitarbeiter ein Teil vom Unternehmen, während man sich hingegen im Konzern wie eine Nummer fühlt.

Wie war die Betreuung in Deiner Ausbildung?

Alexander: Die Betreuung beruhte sehr stark auf Vertrauensbasis und die Kommunikation erfolgte bei Bedarf. Ich konnte mich jederzeit bei Ideen oder Problemen melden und musste auch keine Sorgen haben, dass das irgendwie einen falschen Eindruck machen könnte. Besonders das Studium hat für mich viel mit Eigenverantwortung zu tun, deshalb bin ich der Meinung, dass die eigenverantwortliche Arbeit auf Vertrauensbasis genau der richtige Weg war und ist. Ich weiß von Studienkollegen, gerade bei größeren Konzernen, dass diese regelmäßig während der Theoriephase eine Art „Statusbericht“ abgeben mussten. Viele fühlten sich im Studium überwacht und kontrolliert, was den Spaß am Studium deutlich eingeschränkt hat. Diese offene Zusammenarbeit mit Wenker hat das Studium und auch den Studienerfolg deutlich bereichert.     

Dual zu studieren bedeutet: Du hast mehr Arbeit und weniger Freiheit als normale Studenten

Alexander: Stimmt, aber man lernt die Zeit besser zu nutzen und nicht so lange im Bett zu liegen

… und oft reicht eine 40-Stunden-Woche nicht.

Alexander: nein …, absolut nicht.

Welche Berufsperspektiven hat man mit einem Dualstudium?

Alexander: Mit einem BWL-Studium bin ich breit aufgestellt, deshalb stehen die Türen überall in der Wirtschaft offen. Mehr Infos zum Studium findet ihr unter: www.hs-osnabrueck.de.

Wie geht es bei Dir weiter?

Alexander: Ich mache den Master! Ich habe für mich festgestellt, dass ich viele Bereiche noch weiter vertiefen und in den Bereich „Finance“ gehen möchte.

Alexander, würdest Du Dich im Nachhinein noch einmal für das duale Studium entscheiden?

Alexander: Ja. 

Möchtest Du noch was loswerden?

Alexander: Der unkomplizierte Umgang mit meinem Betreuer, besonders während der Studienzeit, hat mir sehr gut gefallen – so konnte ich mich voll auf mein Studium konzentrieren. Dafür und für den kollegialen Umgang in der Verwaltung und in der Fertigung möchte ich mich herzlich bei Allen bedanken.

Alexander, wir gratulieren Dir ganz herzlich zu Deinem tollen Abschluss. Alles Gute für Deine Zukunft und vielen Dank für das Gespräch.