Jungfernfahrt in Ahaus

Stapellauf für das Gebäude der Zukunft


23.07.2020

(im Vordergrund, v.l.n.r.: Landrat Dr. Kai Zwicker, Landtagsabgeordnete Heike Wermer, Geschäftsführer Franz Leers, Bürgermeisterin Karola Voß)

Haben Sie in den letzten Jahren eine Kreuzfahrt unternommen? Unter Umständen haben Sie dann den ausgefeilten Komfort einer Wenker-Schiffskabine und damit ein Stück Heimat genossen. Rund 35.000 schwimmende Hotelzimmer produzierte das Familienunternehmen aus dem westfälischen Ahaus in den zurückliegenden Jahren. Für Aida, Disney und andere Größen in der Kreuzfahrerszene. Die Kabinen werden in Ahaus zu transportablen Einheiten vorgefertigt und schließlich in den Werften der großen Reedereien zum luxuriösen Innenleben der Ozeanriesen zusammengesetzt.

Neues Standbein

Augenblicklich dringt Wenker-Chef Franz Leers in neue Gewässer vor. Der agile Unternehmer erweiterte sein umfassendes Know-how aus dem anspruchsvollen Segment des Hochseetourismus um Expertise aus der Hotellerie und dem Gesundheitswesen. Mit viel Liebe zum Detail und Wissen um die konkreten Anforderungen in Hotels und Krankenhäusern fertigt Wenker nun auch Hotel- und Patientenzimmer, Schwesternstützpunkte, Untersuchungs- oder Frühstücksräume und was Hotels oder Krankenhäuser sonst noch brauchen. Im gerade fertiggestellten Showroom können die neuen Gebäude-Module auf dem Wenker-Werksgelände in Ahaus besichtigt werden. Interessenten haben damit die Möglichkeit, die durchdachten Fertigbauteile vor dem Kauf gewissermaßen „anzuprobieren“. Am 20. Juli ist Einweihung. Oder soll man in dem hochseeerprobten Unternehmen eher von einem Stapellauf sprechen? 

Effizienz durch Serienfertigung

Wie auf hoher See geht es auch im Gesundheitswesen und in der Hotellerie um funktionale Aufenthaltsqualität. Die Energiebilanz und die Kosten müssen stimmen, Brandschutz-, Sicherheits-, Schallschutz-, Hygiene- und viele andere Vorgaben eingehalten werden. Leers hat dazu nochmals an der speziellen Rezeptur für die Füllungen der Stahlgerüste, die seinen Gebäude-Systemen als Skelett dienen, gefeilt. Nach seinen Angaben stehen die Mineralfasersandwichelemente für die Wände und der LC-Beton für die Böden in ihren Eigenschaften dem Massivbau um nichts nach, ermöglichen es aber gleichzeitig, die Vorteile des Modulbaus voll und ganz auszuschöpfen: Wenker verspricht seinen Kunden niedrige Kosten durch Serienfertigung bei einer im konventionellen Bau ungekannten

Flexibilität. Durch das einzigartige Wenker-Baukastenprinzip können die Systemgebäude aus Ahaus im Nachhinein mit minimalem Aufwand umgestaltet, wieder aufgehübscht, erweitert oder rückgebaut werden. Das ist gerade im Gesundheitswesen wichtig. Hier wird schließlich ständig um- und angebaut, neugestaltet oder geschrumpft.

„Natürlich richten wir uns bei der technischen und innenarchitektonischen Ausstattung der Module nach den Wünschen und Vorgaben unserer Kunden. Allerdings ist es aufwändig und führt selten zu den besten Ergebnissen, das sprichwörtliche Rad immer wieder neu erfinden zu wollen. Genau das passiert jedoch im konventionellen Bau. Krankenhäuser und Hotels könnten viel Geld, Arbeit und Nerven sparen, wenn mit Akribie erarbeitete, standardisierte und bewährte Konzepte in Serie gehen“, erklärt Leers. 80 bis 90 Prozent aller handwerklichen Tätigkeiten werden auf diese Weise von der eigentlichen Baustelle in die Fabrikhalle verlagert, sind so unabhängig von Wind und Wetter, erzeugen keinen Schmutz, Lärm oder Verkehr am Zielort. Von einem eingespielten Team werden die Hybrid-Gebäude in gleichbleibend hoher Qualität errichtet – zum großen Teil wie in der Automobilproduktion in einer Fertigungsstraße. In dieser Modulmanufaktur sitzt jeder Handgriff. Die aus der Baubranche bekannten Schnittstellen- und Abstimmungsprobleme kennen Modulbauer ebenso wenig wie lange Trocknungszeiten oder Pfusch, der das Thema Bauen mitunter so nervenaufreibend und kontrollintensiv macht. Leers ist überzeugt: „Das ist die Zukunft des Bauens schon heute.“ Seinem Unternehmen mit seinen 280 Mitarbeitern verschafft die neue Sparte ein zusätzliches Standbein. Hotels und Krankenhäuser kommen damit in den Genuss innovativer, durchdachter und preisgünstiger Immobilien.